Der Brönnhof", an einem dunklen und kalten November Tag.

Heute Nachmittag hatte ich bei sehr kühlen Temperaturen und starken Wind, die blöde Idee den ehemaligen Truppenübungsplatz der Amerikaner mit meinen Hund zu bewandern, denn bei diesem schlechten Wetter ist dort bestimmt niemand. Das heißt wir sind dann alleine für uns und können tun und lassen was wir möchten.

 Wir fuhren also mit unserem Smart genau bis zur Schranke des Übungsplatzes und betraten das verlassene Gelände. Hier oben war es nochmals ein paar grad kühler als in der Stadt und auch extrem stürmisch. Deshalb zog ich meinem Bandido noch im Auto erst mal seine warme Tarnjacke an. Ich wühlte anschließend nach meinen Handschuhen und einer dicken Mütze die ich im Auto hatte.

So gerüstet gingen wir los auf unsere Entdeckungsreise. Viel Spaß machte das ganze meinem Bandido allerdings nicht, er lief mit eingezogenem Genick und ziemlich lustlos hinter mir her. Er zeigte ein äußerst bockiges Verhalten, fast so wie ein Kleinkind das schmollte. Aber mein kleiner Freund muss auch mal raus wenn das Wetter etwas härter ist, schließlich ist Bandido kein „Chihuahua“, sondern ein furchtloser „Pinscher“. Zumindest hoffe ich das!

Mit der Zeit gewöhnte er sich auch an das Wetter und gab das „schmollen“ auf. Er wurde etwas lustiger bzw. aufgeweckter und nahm endlich verschiedene Spuren auf und verfolgte auch einige Fährten. Einige der Kothaufen die wir fanden, erweckten sehr starkes Interesse bei ihm. Ich tippte auf "Wild Scheiße" und die riecht mit Sicherheit aufregender als „normale“ Kacke. Ja, so langsam kam wieder richtig Leben in meinen kleinen Scheißer.

Irgendwann vernahm ich Motorengeräusche, die langsam immer lauter wurden. Anhand der Geräuschkulisse erkannte ich, dass es sich um einen Einzylinder Motor handeln musste und tippte deswegen auf ein Quad. Das sind diese offenen vierrädrigen Gelände Fahrzeuge, halb Auto und halb Motorrad, die viel Lärm machen und auf denen meist übergewichtige asoziale Menschen sitzen. Asozial deswegen, weil die sich an keinerlei Regeln halten. Das Geräusch kam immer näher und ich machte meine Kamera schussbereit. Wenn ich sein Nummernschild mit auf einem Foto habe, dann bekommt er eine Anzeige. Schließlich ist das hier gesperrtes Gelände und eines der letzten ursprünglichen Rückzugsgebiete für die heimischen Wildtiere. Im Frühjahr sehe ich diese Volltrottel beinahe bei jedem Spaziergang in der Natur. Und sie sind immer vorzugsweise in Naturschutzgebieten unterwegs und nehmen keine Rücksicht auf Wanderer und stören die Tiere bei ihrer Nachwuchs Aufzucht.

 Da kam er auch schon mit seinem Olivgrünen Quad, zwischen den Ästen aus dem Wald geschossen. Ich fokussierte ihn mit meiner Kamera und schoss eine Serie Bilder. Leider hat dieser Raudi sein Nummernschild unkenntlich gemacht, so das eine Anzeige sinnlos währe. Wenn ich das nächste mal hier her komme, dann überlege ich mir vielleicht Nagelbretter an den neuralgischen Stellen auszulegen.

Nachdem mein Ärger verflogen war, setzten wir unsere Tour fort. Die Gegend hier ist wirklich sehr trostlos an diesem November Nachmittag gewesen. Es war düster und kalt, der Wind blies uns ständig Blätter entgegen und es wurde immer dunkler. Die vielen alten Bäume rings umher ragten ihre kahlen Äste wie zu einem Hilferuf in Richtung Himmel und taten ihr übriges um meine Stimmung zu kippen. So langsam verlor auch ich meine Lust auf eine ausgedehnte Gassi Tour auf dem Übungsplatz. Also bogen wir den nächsten Weg ab um in einer Schleife zurück zum Auto zu laufen.

Dabei kamen wir an einem, wie ich vermute Munitionslager vorbei. Wir liefen immer am Zaun entlang und ich schaute neugierig ins innere des Lagers. Umrahmt wurde das ganze Areal von einem doppelten Hochsicherheitszaun mit Lichtmasten die alle 10 Meter standen. An diesen Masten hingen zusätzlich zu den Scheinwerfern noch mehrere Video Kameras, für die frühere Überwachung des Geländes. Jetzt sind sie natürlich alle defekt, zerstört und nutzlos. Auch konnte man in die vielen Bunker blicken, da die Tore alle geöffnet waren. Natürlich waren auch diese Bunkeranlagen leer. Und schließlich kamen wir zum Eingang des Munitionslagers mit seinen Häuschen und Hallen. Ich sah mir das Tor genauer an und konnte erkennen, dass hier schon sehr viele Leute vor mir am Werk waren. Denn die Tore waren aufgebrochen und alles geknackt und kaputt. Da ein Tor einladend weit offen stand, ging ich also auch hinein um ein paar Fotos zu schießen. Allerdings gab es hier nichts wirklich interessantes mehr zu knipsen. Und beim Blick durch die Fenster in die Räume der Unterstände musste ich erkennen, auch hier drinnen gibt es absolut nichts mehr.

Auf die Kugelsicheren Scheiben der Wachhäuschen wurde von irgend jemanden geschossen. Das konnte man an den abgeplatzten Glas erkennen. Ich tippe mal auf einen sehr interessierten Jäger, der dieses einmal austesten wollte. Aber auch die Eingangstüre aus Kugelsicherem Glas war komplett zertrümmert. Hier musste also extrem viel kriminelle Energie vereint gewesen sein um das alles zu zerstören. Nach 10 Minuten verließ ich diesen Ort lieber wieder, um nicht Gefahr zu laufen unschuldig in Schwierigkeiten zu kommen.

Nun bewegten wir zwei uns aber wirklich schnellen Schrittes zurück zu unserem Auto, denn es wurde dunkel und hier in der Einsamkeit des „Brönnhofes“ bekam ich dann doch etwas Beklemmung.

Am Auto angelangt schaltete ich erst einmal die Heizung auf Vollgas, knipste das Licht an und deckte meinen Bandido mit seiner Flauschdecke zu. Mein kleiner Partner zitterte vor Kälte und ich wollte es ihm während der Fahrt nach Hause schön gemütlich machen.

Seht ihr… und so haben wir zwei auch heute wieder eines unserer vielen spannenden Mini Abenteuer in knapp 2 Stunden erfolgreich abgeschlossen