Urlaub ist was schönes….

Vor allem wenn das Wetter passt und man in unserem wundervollen Franken lebt. Hier gibt es sie noch, die kleinen romantischen Dörfer mit Tradition und ihren malerischen Winkeln. Dort scheint es manchmal so, als ob die Zeit stehen geblieben ist.

Heute verschlug es uns nach WETZHAUSEN bei Stadtlauringen. Eigentlich wollten wir zum Saisonende nur das tolle Wetter genießen und unseren Urlaub dazu nutzen, nochmals mit dem Cabrio durch die Gegend zu cruisen.

Wir fuhren also über Land und überlegten uns dabei schon einen Zwischenstopp, für das Gassi gehen mit unserem kleinen Hund. Dieser lag gerade absolut entspannt auf den Beinen meiner Frau und träumte ganz sicher von mir, seinem Lieblings Kumpel mit der Leckerli Tasche die nie leer wird.

Meine Frau fragte mich unterwegs, ob wir wieder einmal zum „Schloss Craheim“ fahren wollen. In dem Schlossgarten dort, kann man nämlich wunderbar spazieren gehen und das Flair eines der jüngsten und letzten Schlösser Deutschlands zu genießen. Dieses sehr schöne Schloss wurde erst 1910 fertig gestellt. Das war eine sehr gute Idee von ihr, allerdings hatte ich bei dem Stichwort „Schloss“ noch eine viel bessere. Und zwar das alte „Wasserschloss in Wetzhausen, der Ort lag nur wenige Kilometer neben Schloss Craheim. Ich selber war noch nie dort, hörte aber vor einiger Zeit, eine interessante Reportage davon im Rundfuk. Dabei erfuhr ich, dass dieses Schloss aus dem Jahre1528 ist, aber leider dem Verfall preis gegeben. Dafür soll es allerdings eine wunderbare Lokation bei „Lost Places“ Fotografen sein. Ich wollte es mir unbedingt mal ansehen und gab zum Start der Fahrt im Navi die Ortschaft „Wetzhausen“ ein.

 Prima, jetzt begann wieder eines unserer kleinen aber überschaubaren „Mini Abenteuer“ und schon nach 30 Min. kamen wir in der Ortschaft Wetzhausen an. Wir fuhren im Schritttempo langsam durch den Ort hindurch, auf der Suche nach dem alten Schloss. Hier im Ort war ich leider noch nie, was sich jetzt als Fehler heraus stellte, denn es ist hier wirklich sehr schön. Ich sah sofort einige uralte Häuser die leer standen, aber auch schöne renovierte Fachwerkbauten. Nach kurzer Fahrt sah ich auch eine kleine Alle mit alten Bäumen und einer mächtigen Kirche. Im Anschluss daran erkannte ich außerdem so etwas wie „Gutshof Gebäude“. Das muss es sein dachte ich mir. Wenn hier irgendwo ein Schloss stehen sollte, dann mit Sicherheit dort hinten.

Wir parkten unseren Daimler an der schönen alten Barock-Kirche von 1708, schlossen das Dach von unserem Benz und schlenderten langsam los. Allerdings musste ich vorher erst noch einen Blick in diese Kirche werfen. Ich übertrug kurzerhand die Befehlsgewalt über BANDIDO an SIBYLLE und verschand alleine in der mächtigen Kirche.

Mein Gott, was für eine schöne Kirche. Leider hatte ich heute nur mein großes Kamera Objektiv dabei und konnte so keine Gesamtaufnahme von innen machen. Aber ich war sehr angetan von der Schlichtheit, der Größe, der Akustik und diesem mystischen Geruch des Kirchensaales. Es überkam selbst mich, als Katholiken eine richtige Ehrfurcht vor dieser schönen evangelischen Kirche. Leider hörte ich draußen schon meinen Kumpel nach mir winseln und rufen und so beendete ich meine Besichtigung frühzeitig. Wenn ihr das alles sehen könntet. Die tolle und an 3 Seiten umher laufende Empore und diesen natürlichen Steinboden. Die uralten Bänke und das dunkle Bild über dem Altar. Alles wunderschön.

Aber nun ging es nach draußen zu meinen zwei Liebsten zurück. Dazu musste ich nur noch das mächtige, alte eiserne Schloss der Kirchentüre nieder drücken. Es ist in etwa so groß wie ein Schuhkarton und bestimmt schon fast so alt wie die Kirche. Mit einem lauten „Klack“ verrichte die Mechanik des Türschlosses seine Arbeit und entließ mich wieder in das mein 21. Jahrhundert.

Jetzt liefen wir gemütlich in Richtung der dichten Bäume. Ich vermutete, dass sich dahinter das Schloss befinden könnte. Auf dem Weg dorthin kamen wir an steinernen Zaunpfählen vorbei, die vermutlich auch noch aus der damaligen Zeit stammen könnten. Denn sie sahen von der Witterung schon sehr zerfressen und mitgenommen aus. Für mich als "Hobby Archäologen" sichere Spuren auf das Wasserschloss.

Aber schon wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, denn meine Frau rief laut „Schatzi, Schatzi!… Pferde...wie schön...schau mal“. Und ich schaute und lief zu ihr hin. Zwischen den Bäumen war eine kleine Wiese mit Pferden die ich ablichten sollte. Aber da sah ich es plötzlich zwischen den Ästen der Bäume hervor blicken. Dass Schloss! Es lag dort hinter den Baumriesen wie versteckt zwischen Gestrüpp, Blättern, Gras und echten Dornenhecken. Es sah auf dem ersten Blick genauso wie eines dieser verzauberten Märchenschlösser aus.

Nach dem Pferde knipsen gingen wir dann sofort weiter in die wundervolle und sehr geheimnisvolle Schlossanlage. Natürlich brach ich wieder alle Gesetze und Bestimmungen, denn ich musste hinter die Absperrung gehen um ein paar Fotos zu schießen. Mein kleiner Hund folgte mir tapfer auf dem Fuß und und steckte seine Nase genauso wie ich, in jedes Loch und jede Spalte die er sah. Aber dann wurde das Dickicht doch zu stark und meine Skrupel sehr groß. So verließen wir die verbotene Zone und hielten uns wieder vor der Absperrung auf, denn auch hier ergaben sich noch viele schöne Motive und Ansichten zum träumen.

Zum Beispiel die alte baufällige Brücke über den Wassergraben mit ihren Steinbögen, oder die vielen Türmchen, Erker, Tore usw. Und auch außerhalb des Schlossparks gab es sehr viel zu bestaunen und zu entdecken. Zum Beispiel die Menge an Landwirtschaftlichen Hallen und Gebäude. Oder die alten Maschinen und Ställe, die man noch sehen und anfassen konnte. Da war zum Beispiel ein Anhänger, der stand schon so lange hier, dass auf seiner Ladefläche doch tatsächlich kleine Bäume wuchsen.

Einige der sehr alten Häuser waren auch noch bewohnt und ich wurde wirklich ein bisschen neidisch. So eine herrliche Ruhe hier und so viel Platz außen herum. Wenn ich hier wohnen würde, dann hätte ich wahrscheinlich 4 Hunde, 3 Katzen, 5 Autos, 2 Motorräder und was weiß ich noch alles. Ach ja die Hunde… die wären dann sicher auch etwas größer als mein kleiner BANDIDO.

Wir gingen noch lange über das Gelände und durch die ganzen Höfe und kamen kaum aus dem Staunen über so viel und gut erhaltenes Kulturgut heraus.

Wir beendeten unsere Schlossbesichtigung dann mit einem Rundgang um den dazugehörigen See und gingen am Ende noch durch das kleine Dörfchen. Wir nahmen dabei sehr viele liebenswerte Erinnerungen mit nach Hause. Mich faszinieren die alten Häuser doch sehr, oder die alte und aufgegebene Tankstelle am Ortsende. Dort war sogar noch die Reklame von „STINNES FANAL“ auf der Hauswand zu sehen. Diese zierte garantier seit den 60ern oder gar 50ern diese Wand. Stinnes war eine Mineralölmarke die es heute leider nicht mehr gibt. Oder die vielen alten verlassenen Wohnhäuschen, die ich alle so gerne einmal betreten möchte um Bilder zu schießen. Ach was würde ich dafür geben dort einmal hinein schauen zu dürfen und die Stimmung dort Digital einzufangen.

Aber es gibt in dem Ort auch Kunst und netten Kitsch zu sehen und so etwas wie ein Museum oder ein Café. Leider hatte es bei unserem Besuch geschlossen, dass "alte Forsthaus". Ihr müsst unbedingt mal hier in diesem alten Ortsteil spazieren laufen, denn wenn ihr durch die alten Gässchen geht, die teilweise nur 1 Meter breit sind, dann spürt ihr es ganz deutlich. Die Lust auf noch mehr Entdeckungen und die der Entschleunigung der Zeit.

In einer Straße wo wie wir gelaufen sind, wurde mein BANDIDO mit heftigen und lautstarkem Bellen empfangen. Hinter einem Zaun standen zwei riesige schwarze Hunde und erklärten meinem Pimpf  Lautstark, wer hier wohnt und wer das "sagen" hat. BANDIDO bellte natürlich sofort zurück und erklärte ihnen wiederum, dass er aber nicht eingesperrt sei und somit ER das "sagen" hat und als nächstes, alles als sein Gebiet markieren würde. Das war ein Fehler! Denn dieses hörten auch auch all die anderen Hofhunde in der Straße. Urplötzlich ertönte hinter jedem Zaun, hinter jedem Tor und aus jedem Hof ein lautstarkes Stakkato von Bellen, Grollen und Knurren und das von mindestens 7 wütenden Hunden gleichzeitig. Wir beschleunigten unsere Schritte und ich betete zu Gott, dass alle diese Tore und Zauntürchen gut verschlossen sind. BANDIDO allerdings stolzierte wie ein Gockel mit Rute nach oben und Nase noch höher, sehr eingebildet neben mir her. Er genoss es sichtlich der Chef zu sein. Aber als er dann auf einem Busch, vor einem Zaun hinter dem ein Rottweiler stand markieren wollte, da war das Maß voll und ich zog ihn gegen seinen willen weiter. Ich denke heute immer noch, es war die beste Entscheidung des Tages!

Nach diesem Intermezzo waren wir sehr schnell an unserem Auto angelangt und froh darüber, heil aus der Sache heraus gekommen zu sein. Wir stiegen ein, öffneten unser Dach und fuhren mit einem breiten Grinsen und mit vielen Eindrücken nach Hause.

Wir hatten wirklich wiedermal einen tollen Tag!