MUNA – Waldsiedlung

Heute haben wir wieder einmal eine tolle Tour gemacht.
Ich habe von einigen älteren Leuten schon öfter Geschichten über eine Munitionsfabrik in Rottershausen gehört und dabei immer wieder voller Spannung zugehört. Es muss im „II Weltkrieg“ eine riesige Anlage gewesen sein, mit Bunkern, Fabriken und sonstigen Gebäuden. Leider wurde nach dem Krieg und im laufe der kommenden Jahre fast alles gesprengt und versiegelt. Aber trotzdem war meine Neugierde sehr groß, dieses alles einmal zu sehen und zu fühlen, oder zumindest die Reste davon.

Und nun haben wir Urlaub und genug Zeit für eine kleine Exkursion dorthin. Von Schweinfurt nach Rottershausen ist es schließlich nur ein Katzensprung und somit ein schöner Ausflug für uns drei. Also eine einfache Entscheidung! ...Wanderstiefel an, Rucksack mit dem „Survival Kit“ gepackt und unserem Hund „Bandido“ seine „Macgyver“ Warnweste angelegt und schon ging es los.

Die MUNA, wie sie hier überall genannt wird, ist in der nähe von Rottershausen und war schnell gefunden. Parkplätze waren in dieser verlassenen Ansiedlung auch kein Problem. Wir wählten auf gut Glück einen Waldweg aus, der zum einen direkt in den Wald hinein führte und mich zum anderen irgendwie wie ein magisch anzog.

Das Wetter war heute ideal. Es ist trocken und nicht zu warm und keine stechende Sonne. Meinen kleinen Zwergpinscher gefiel es hier ausgesprochen gut und er sicherte sein Rudel mutig und tapfer als Vorhut an vorderster Spitze. Nur meine Frau hatte wie fast immer etwas Angst. Wir sahen nämlich überall die tiefen Wühlspuren von Wildschweinen. Und was für mächtige Krater die gegraben und aufgerissen hatten. Die Spuren ihrer Verwüstungen begleiteten uns die ganze Zeit über und Sibylle überprüfte immer wieder den korrekten Sitz ihres Pfeffersprays. Ich habe ihr lieber nicht erzählt, dass ihr Spray bei einer wütenden Wildsau garantiert nichts nützen würde.

Es dauerte nicht lange und wir konnten die ersten Zeitzeugen links und rechts des Weges erkennen. Da waren kleinere Bunker und Gebäude die wohl als Abstellräume oder Keller genutzt wurden, denn sie waren in einem guten Zustand und außerdem mit Schlössern versehen. Allerdings sahen wir immer wieder Mauerreste und Fundamente aus der damaligen Zeit. Ich spürte auch irgendwie die Aura die sie umgaben. Es war für mich jetzt schon recht aufregend und in meiner Fantasie konnte ich Soldaten und Arbeiter in Uniformen sehen und umher fahrende LKW und Geländewägen. Verrückt dieses Kopfkino, aber eines meiner Mottos ist immer „Fantasie ist wichtiger als Wissen“ Vor allem als ich plötzlich das „EICHENLAUB“ einer mächtigen Eiche vor meinem Gesicht hängen hatte, da erinnerte ich mich an meine Kasernen Zeit und alles was ich über Munition und Sprengstoff gelernt hatte und wie brisant diese Anlage gewesen sein musste.

Je weiter wir in den Wald hinein kamen, desto häufiger und deutlicher wurden die „Fundstücke“ schlimmer vergangener Tage. Beeindruckend waren die mächtigen Mauern die mit dichten dunklem Moos überzogen sind. Ich bin von Zeit zur Zeit immer mal ein Stück in den Wald hinein gelaufen um mir mehr Überblick zu verschaffen. Und da konnte ich noch viel mehr Bunkerreste und verfallene Mauern finden. Einfach großartig hier. Ich spiele echt mit dem Gedanken mir ein Metall Suchgerät anzuschaffen. Könnte mir vorstellen, dass man an solchen Orten noch so einiges interessantes finden könnte.

Und dann entdeckte ich endlich einen Bunker wo eine minimale Möglichkeit zum Einstieg zu erkennen war. Ich zwängte mich durch das enge Loch hinein ins dunkle und schaltete mein Smartphone Licht ein um mich zu orientieren. Leider gab es nicht so viel interessantes zu sehen, denn die oder vielmehr der Gang war leer und führte nur durch zwei Räume, an denen Graffiti Kunst zu sehen war. Der Rest war eingestürzt und zugemauert. Aber auch hier bildete ich mir ein, die Energie vergangener Tage zu spüren und obwohl überhaupt nichts spannendes zu sehen war, stieg mein Adrenalin Spiegel stetig an. Und so ging es ca. 5 Kilometer im zick-zack Kurs durch den Wald, immer auf der Suche nach dem „Adrenalin“.

Allerdings wäre es auch ohne diese ganzen Bauwerke und Ruinen sehr schön hier gewesen, denn die Farben des Waldes waren traumhaft und für Pilzsucher ist hier garantiert das Paradies. Auf Schritt und Tritt sahen wir alle möglichen verschiedenen Pilze, in vielen Formen und Farben. Leider kenne mich mich gar nicht aus mit diesen Köstlichkeiten und so musste ich sie alle stehen lassen.

Unsere Reise in die Vergangenheit stoppte schließlich an einem Schild mit der Aufschrift „Betreten verboten“. Wir erreichten ein Übungsgelände der „Bundespolizei-Grenzschutz“ und drehten deshalb lieber wir wieder um. Schließlich wollten wir keinen Ärger riskieren und außerdem war es auch an der Zeit, uns wieder auf den Weg in unsere Zeit zu machen.

Auf dem Rückweg bestaunten wir erneut all die Pilze, den bunten Wald und die geheimnisvolle Geschichte der Gegend. Ich kam sodann wieder erneut ins schwärmen und langweilte meine Frau sicherlich total mit meinen Ideen von einem „Metall Detektor“ und Geheimgänge finden usw.

Jetzt da wir wieder seit einigen Stunden zuhause sind und ich diese Zeilen schreibe, da ist die Idee mit dem Suchgerät auch schon wieder gestorben, denn vor mir sind bestimmt schon viele hundert andere auf den gleichen Einfall gekommen. Denke da wird nichts mehr zu finden sein, außer vielleicht rostiger Bewährungsstahl oder alte verbogene Eisenstreben von den Armierungen.

Jedenfalls war das heute wieder ein äußerst interessanter und spannender Blick zurück in eine, leider dunkle Vergangenheit Deutschlands.

Ich hoffe sehr mit diesem Bericht euer Interesse für die Vergangenheit ein wenig geweckt zu haben. Es ist immer wieder spannend, die Geschichte die einem nahe steht zu verstehen.

…BANDIDO, Sibylle und DANIEL

Interessante INFOS: http://www.mainpost.de/regional/bad-kissingen/Mit-der-Bombe-auf-dem-Pferdefuhrwerk-zur-Muna;art766,2762404