Nur mal schnell Gassi gehen,

Heute wollten Bandido und ich mal eine ruhige Kugel schieben und bei dem blöden und nasskalten Wetter nur zu Hause gemütlich auf der Couch verbringen. Doch irgendwann mussten wir dann doch zum pinkeln und etwas die Beine vertreten raus. Dazu bin ich mit ihm 2 Kilometer vor den Stadtmauern von Schweinfurt einfach entlang der Feldwege hinaus in die Landschaft gelaufen.

Es war heute kein schönes Wetter, sehr feucht und nasser Nebel überall. Selbst meine neuen und laut dem Prospekt auch wasserdichten „Kilimandscharo Outdoor“ Marken Wanderstiefel, die waren nach 10 Min laufen auf nasser Wiese innen patschnass. Mein Bandido hatte auch keine große Lust, denn er trottete lustlos umher und blieb immer wieder stehen und sah mich mit fragendem Gesicht an. „Captain, oh mein Captain… wann gehen wir wieder heim“? Aber nichts gibt´s, denn nur die harten kommen in den Garten. Mindestens 1.5 Stunden laufen sind Pflicht und wir hatten erst 30 Minuten auf der Uhr.

Weit entfernt in einer Senke sah ich ein kleines Wäldchen, dieses wählte ich als unseren Zielpunkt aus. Also spornte ich meinen kleinen Pinscher immer wieder an und machte Stöckchen Spiele mit ihm, um ihn bei Laune zu halten.

Es war aber auch eine blöde Idee von mir ausgerechnet heute durch die Natur zu laufen. In der Stadt hätten wir jetzt wenigstens trockene und saubere Schuhe und Füßchen. Und wer weiß, vielleicht währen wir sogar noch in einem hübschen Café eingekehrt. Und ich hätte meinen heißen Kaffee geschlürft und Bandido hätte diesen kleinen Keks, den es immer dazu gibt gefuttert. Aber hier wurde der Boden immer weicher und der Matsch immer tiefer.

Endlich am Wäldchen angekommen sagte ich zu Bandido „Geschafft mein kleiner“ und er freute sich mächtig. Mann könnte meinen er hat die Bedeutung meiner Worte verstanden und freute sich nun auf den Rückweg. Ich wollte allerdings um das kleine Wäldchen, fernab jeglicher Zivilisation noch herum laufen und erst dann zurück zum Auto. So wie die Raumfahrer um einen Planeten in einer Ellipse herum jagen, um sich den nötigen Schwung für den Rückflug zur Erde zu holen. Genauso wollte ich dieses Wäldchen umrunden und dann schnell zum Auto zurück.

Es war ein richtig düsteres Fleckchen Erde wo wir uns gerade aufhielten. Irgendwie war auch alles so leise und dumpf hier. Keinerlei Nebengeräusche wie sonst üblich. Kein Wind, keine Vögel, kein rascheln der Blätter. Eine ganz komische Atmosphäre umgab diesen Ort. Und dann sah ich durch das Geäst und dem Gestrüpp so etwas wie Mauern. Ich rief Bandido näher zu mir heran und schritt vorsichtig in Richtung dieser Mauern. Beim näherkommen sah ich, dass es sich um ein altes und ziemlich verfallenes Gebäude handelte. Überall lag Müll und Schutt herum. Alte Möbelstücke und undefinierbare Metall Teile. Auch gab es kleinere Hallen und Unterstände in die ich blicken konnte. Aber alles war mit Unrat bedeckt und lag sicher schon sehr lange hier.

Meine Neugierde zwängte mich durch eine Öffnung des aufgebrochenen Zauntores. Ich schritt dann weiter voran durch einen verwahrlosten Garten, oder vielmehr das was davon übrig geblieben ist. Dabei bin ich fast in einen Brunnenschacht gefallen, der nur mit einem morschen und fauligen Holzdeckel verschlossen war. Als ich mit einem Fuß darauf getreten bin, da hörte ich am Klang, dass es unter meinem Fuß gefährlich sein könnte. Und so zog ich mein Bein wieder zurück und entdeckte die baufällige Abdeckung. Eine unheimliche Vorstellung, hier draußen in einen Brunnen zu fallen. Genauso unheimlich wie die alten knorrigen Bäume, die aussahen als ob sie nach uns greifen wollten. Mein kleiner Freund neben mir bemerkte wohl mein Unbehagen, denn er winselte leise vor sich hin.

Doch jetzt wollte ich wissen was noch alles so auf diesem Gelände und in dem Bauwerk zu finden ist. Meine Neugierde trieb mich immer weiter vorwärts und ich spürte meinen Herzschlag bis zum Hals pochen. Mittlerweile nieselte es wieder ganz leicht, dafür wurde  der Nebel etwas weniger. Doch die alten Bäume sahen immer noch genauso bedrohlich und unheimlich aus wie vorher. Und plötzlich bekam ich einen Schlag gegen meinen Kopf, ich spürte sofort Angst in mir aufsteigen. Wer oder was, um Himmels willen treibt sich hier draußen noch herum ausser mir? Irgend etwas hat mich am Kopf getroffen und verletzt. Ich stolperte und stürzte der Länge nach in ein Gemisch aus Gras, Blättern und Gerümpel. Als ich langsam wieder zu mir kam, blickte ich mich um wer oder was mich zu Fall gebracht hat und entdeckte schließlich ein quer gespanntes und sehr dünnes Drahtseil. Gegen dieses rostige Teil bin ich mit dem Kopf gestoßen und so kam ich zu Fall. Gott sei Dank ist aber weiter nichts schlimmeres passiert. Und zum Glück war es auch kein Irrer der hier wohnt und vielleicht Leichen sammelt und verscharrt.

Nach diesem kleinen Schock umrundeten wir das Haus um irgendwo Einlass in das Gebäude zu finden. Ich fand schließlich eine Türe die wohl mal fest verschlossen war, allerdings konnte ich eindeutige Spuren von einem Aufbruch erkennen. Das Türschloss wurde heraus gehebelt und war nicht mehr vorhanden. Die Türe war leicht angelehnt und ich drückte sie langsam und mit Vorsicht weiter auf um hinein zu spähen. Langsam trat ich in den Raum und spitze meine Ohren nach verdächtigen Geräuschen, denn irgendwie hatte ich schon ein bisschen Schiss. Denn schließlich war ich weit weg von der Zivilisation und zum anderem hatte ich von meinem „Groß-Hasen“, der jetzt wieder winselte, im Ernstfall auch wenig Hilfe zu erwarten.

Die Eingangstüre war mit vielen Namen und Schimpfwörtern beschmiert und auch im inneren waren die Wände mit in roter Farbe geschriebenen Sprüchen und Namen bemalt. Es lagen hier ebenfalls Müll und komische Gegenstände auf dem Boden herum aber sonst war hier nichts zu sehen, was irgend etwas schlimmes hätte vermuten lassen können. Nur dieser starke Geruch , der überall in der Luft lag war seltsam. Es roch so als ob irgendwo Räucherstäbchen angezündet sind. Er erinnerte mich an Moschus mit irgendwas süßem drin. Aber das Haus war leer und die Fenster teilweise zerschlagen. Es herrschte hier eine Atmosphäre, wie in einem Horrorfilm.

Ich zog also lieber wieder den Rückzug an und kämpfte mich erneut durch das Gestrüpp des Gartens. Dabei kam ich noch an einem Keller vorbei. Dieser zeigte  sich mir durch ein Treppe an, die nach unten in ein tiefes dunkles Loch führte. Ich betrat die Treppe und spielte für einen kurzen Moment mit dem Gedanken nach unten zu gehen. Aber Bandido wechselte jetzt vom winseln in ein leises Knurren. Das war das Signal für mich, meine Idee mit dem Keller nochmals zu überdenken. Nach einer Millisekunde des überdenkens wusste ich ganz sicher, „Der Keller ist nicht so wichtig“! Und so verließen diesen seltsamen Ort mit dem noch seltsameren Geruch wieder.

Auf dem Rückweg freuten wir uns beide das alles gut ausgegangen ist und hatten plötzlich wieder Spaß. Bandido rannte herum und machte seinen Schabernack mit mir und ich ermunterte ihn dabei und neckte ihn. Als wir am Auto angekommen sind, da zeigte die Stoppuhr auch glatte 2 Stunden Gassi an.

Prima, jetzt geht’s ab nach Hause auf die Couch, Heizung an und kuscheln, Leckerlis für Bandido sowie Kaffee und Fernsehen für mich.

Ciao...