Unsere erste Wanderung auf dem Schweinfurter „Jägersteig“


Ich habe vom „Jägersteig“ schon öfters gehört und war schon immer recht neugierig wo der Pfad denn eigentlich genau ist und wie er so verläuft. Als ich diese Tage auch noch alte schwarz weiß Bilder von der Bismarckhöhe im Netz gesehen habe und dazu noch erfuhr, dass man die selbige über den Jägersteig erreichen konnte, da stieg meine Neugier und mein Entschluss stand fest. Wir gehen auf Entdeckungsreise und erkunden Schweinfurts schönsten Wanderweg.


Wir haben also heute unseren Rucksack mit Wasser für Hundi und Getränken für uns bestückt. Noch zusätzlich eine Decke und ausreichend „Scheißbeutel“ für unseren „Bandido“ eingepackt und los ging es mit der Expedition. Die Uhr zeigte 09:30 und wir hatten einen herrlichen Sonntag Morgen im April. Die Luft war klar und kühl und unsere Laune heiß und wild. Ich war ja so gespannt was uns erwartete. Wir sind dann von unserem Zuhause am Hochfeld runter in die „Hölle“ gelaufen und dann wieder hoch zum Turm an der „Peterstirn“. Ich musste da etwas schmunzeln, denn das ganze erinnerte mich an einen Refrain von den Böhsen Onkelz… „Vom Himmel in die Hölle, von der Hölle ganz hinauf, ein tiefer Fall nach unten und die Treppe wieder rauf.“


Bei unseren Aufstieg zum „Beerenhüter Turm an der Peterstirn“ kamen wir auch am „Weingut Dahms“ vorbei. Der Turm vom Weingut wirkte auf mich wie der Turm aus dem Märchen „Rapunzel“, doch am Eingangstor vermisste ich die Wächter die in meiner Phantasie eine Prinzessin bewachten. Mein Frau holte mich dann aus meinen Träumen mit dem Ausruf „Vorsicht, da kommt ein Auto“, zurück ins reale Leben. Und kurz danach war er auch schon in Sicht. Der alte Beerenhüter Turm, der den Schweinfurtern als Aussichtsturm Peterstirn bekannt sein dürfte.


Genau jetzt begann unser Abenteuer auch schon mit der Frage „Wo geht es jetzt weiter“? Wir hörten immer nur, das dort ein kleiner Pfad abzweigt den man folgen muss. Und das taten wir dann auch. Wir gingen einen schmalen unbefestigten Weg entlang, von dem wir vermuteten, dass es der richtige sei. Wir liefen auf einen ausgetretenen Pfad der beidseitig von Hecken, Büschen und allerlei Gemäuer eingerahmt war. Irgendwann zweigte dann plötzlich rechts von uns ein wirklich schmaler und sehr unauffälliger Gang ab. Er war so eng das wir hintereinander laufen mussten. Meine Frau traute sich gar nicht richtig dort hinein, aber für mich war es genau „Mein Weg“, denn er sah aufregend und verboten und Geheimnisvoll aus.

Also hinein in die Zauberwelt der Weinberge. Wir sahen nun immer öfter uralte Hütten, Häuschen und Schuppen. Viele von diesen Bauwerken waren schon zu gewuchert oder verfallen, so das sie wie verwunschene Schlösschen und romantische Pavillons wirkten. Fast alles hier war eingezäunt, allerdings konnte ich überall Durchgänge und Öffnungen in den rostigen Zäunen sehen. Und diese vielen Schlupflöcher wiederum, waren alle mit kleinen unscheinbaren Pfaden miteinander verbunden. Ich vermute mal, es sind die Verbindungswege der Tiere zu ihren Revieren, die im Laufe der Jahre und Jahrzehnte von Wildschweinen, Füchsen und Werwölfen angelegt worden sind.

Und allmählich kamen richtige Edelsteine zum Vorschein. Je tiefer wir in das Labyrinth die verzweigten Pfädchen der alten Weinberge eintauchten, desto öfter sahen oder vielmehr entdeckten wir kleine verwunschene Häuschen. Teilweise waren diese Häuschen schon richtige Wohnhäuser und in sehr gepflegten Zustand. Ich überlegte welch schwere Arbeit das wohl gewesen ist, all das Baumaterial usw. hierher zu bringen.

Ich erinnere mich heute noch oft an ein besonders schmuckes Häuschen das meine Blicke durch allerlei liebevoll modellierter Figürchen auf sich zog. Aber auch an all die anderen schönen Bauwerke fernab jeglicher Bauvorschrift, die meine Fantasie zu Höchstleistungen anspornte. Was mag sich wohl alles darin befinden? Wie viele Jahre war schon niemand mehr hier und funktionierten die Schlösser eigentlich noch, ja gibt es überhaupt noch einen Schlüssel für all diese Zeugen der Zeit? Ach was würde ich dafür geben in den vergessenen Räumen fotografieren zu dürfen und die Atmosphäre die dort herrscht erleben zu können. Aber das ist leider alles Wunschdenken, ich werde es nie erfahren, da ich leider niemanden kenne der dort ein Grundstück besitzt.


Ich versuchte meine Gedanken mit anderen Dingen abzulenken, knipste meine Bilder oder führte Gespräche mit meiner Frau. Allerdings drehten die sich ausschließlich um die Gärten und Grundstücke hier oben. Und so verging unsere Zeit wie im Fluge. Wir bewunderten die Aussicht, betrachteten die Landschaft und die Skyline von Schweinfurt sowie das alte Schloss Mainberg. Auch versuchten wir die Ortschaften die weit am Horizont zu erkennen waren zu bestimmen und ihre Namen zu erraten. Ach wie schön kann das Leben sein wenn man die Augen aufmacht und sich auch über kleine Dinge freuen kann.


Und dann tauchte Sie wie aus dem Nichts und völlig unerwartet vor uns auf. Die „Bismarkhöhe“. Ein wirklich schöner Platz mit einer grandiosen Aussicht über das Maintal. Es standen auch einige Tische und Bänke für Brotzeit und Erholung hier. Jetzt müsste es nur noch dieses Ausflugslokal aus der guten alten Zeit geben. Dann wäre die Idylle perfekt, ich kenne viele Abbildungen von alten „schwarz weiß“ Fotos, die die Bismarckhöhe zeigen als sie noch bewirtschaftet war und einen zum träumen anregen. Aber auch ohne Ausflugslokal ist es noch immer schön hier.

Auch wir machten jetzt eine Pause um etwas zu trinken und unser Hund „Bandido“ bekam ebenfalls sein Wässerchen sowie ein paar Leckerlein von mir. Nach gut nach 20 Min. setzten wir unseren Weg fort und kamen schließlich auf einen schönen breiten Wanderweg neben der „Mainleite“. Hier hatten wir viele Einsichten in die Gärten und sahen tolle gepflegte Häuschen aber auch alte aufgegebene Grundstücke. Wenn ich so ein Grundstück hätte, dann würde ich nur noch hier oben sein und die Welt um mich herum vergessen. Ich verstehe gar nicht warum man so wenig Leute hier sieht.


Kurz vor dem Abstieg nach Mainberg, zweigte unser Weg ab und wir durchquerten ein sehr schönes und lichtes Waldstück. Diese hatten wir nach ca. 15 Minuten hinter uns und die „Dianenlust „ tauchte vor uns auf. Ein sehr schönes Bauwerk von dem ich leider gar nichts weiß. Weder wie alt noch für was es ist oder war. Auf jeden Fall ist es schön anzusehen und ich malte mir wieder sofort aus „ Wenn das meines wäre, dann...“


Wir folgten von nun an der neuen Beschilderung zum „Almrösl“ und trafen nach kurzweiligen 20 Min. direkt am Eingang des Almrösl Biergartens ein. Dort war schon alles vorbereitet für den 1. Mai. Und überall standen die Biertische und Stühle für Morgen bereit. Alles hier wirkte einfach nur schön. Ein richtiger traditioneller Biergarten mit allem was dazu gehört. Große Kastanienbäume die Schatten spenden und auch eine Wiese mit allerlei Spielgeräten für die kleinsten ist hier zu finden.  Unter den Kastanienbäumen ist ein Podest zu sehen, auf dem früher wohl Musikkapellen spielten. Aber auch heute waren zwei Musiker anwesend die uns mit bekannten Evergreens den Nachmittag verschönerten.


Nach einer alkoholfreien Erfrischung und einer leckeren Currywurst ging es dann wieder Richtung Heimat. Aber zuerst musste ich noch meinen Freund „Bandido“ wecken., denn der hatte es sich in der Nachmittagssonne auf seiner Schmusedecke gemütlich gemacht und schlief tief und fest.

Fazit: Es war ein wirklich gelungener Sonntags Ausflug mit vielen schönen Eindrücken und jeder Menge guter Laune.